Das Labyrinth ist eines der ältesten Symbole der Menschheit. Seit Hunderten von Jahren wird es in Felsen geritzt, mit Steinen auf der Erde ausgelegt, in Kirchen dargestellt, in Handschriften aufgezeichnet oder auf Münzen geprägt. Eines der bekanntesten, aufwändigsten und für uns eines der schönsten Labyrinthe heute ist das in der Kathedrale von Chartres in Frankreich. Labyrinthe haben in allen Kulturen, Religionen und Epochen der Menschheitsgeschichte ihre Spuren hinterlassen. Wir sind heute dabei, ihre Faszination neu zu entdecken. Aber immer noch geben uns diese geheimnisvollen Zeichen und Muster viele Rätsel auf.

Der Ursprung des Labyrinths liegt im Dunklen, seine Verwendung und Bedeutung bleiben rätselhaft. Es hinterlässt - nach Hermann Kern - seit 5000 Jahren seine Spuren in der Kulturgeschichte. Immer wieder wurde und wird das Labyrinth erklärt, aber immer bleiben Fragen offen. Vielleicht ist gerade das typisch für ein so großes Symbol. Das Besondere am Labyrinth ist, dass es mit einer ganz bestimmten Konstruktionsmethode gezeichnet wird.

Das Unterscheidungsmerkmal von Labyrinthen im eigentlichen Sinn und Irrgärten:

Im Labyrinth gibt es nur einen Weg, der zur Mitte führt, und zwar kreuzungsfrei und ohne Sackgassen, aber mit Wendungen und auf Umwegen. Das heißt, der Weg führt nicht nur von außen nach innen (wie bei der Spirale), sondern er folgt dem "Prinzip Umweg": er leitet scheinbar rasch Richtung Zentrum, dann wieder an die Peripherie der Struktur hinaus und von dort endlich in die Mitte.

In der Mitte gilt es umzukehren und demselben Weg wieder heraus zu folgen.

Im Labyrinth gibt es keine falschen Entscheidungen oder Fehler, die Struktur ist eindeutig vorgegeben, ihr kann man sich anvertrauen und dem Weg folgen.

 

In der literarischen Tradition der Antike und des Mittelalters wird das Labyrinth als Irrgang-System beschrieben.
Die Labyrinth-Darstellungen bis zur Renaissance kennen alle nur 1 Weg.
Früheste bildnerische Darstellung eines Irrgartens befindet sich im Notizbuch des venezianischen Arztes Giovanni Fontana (um 1420).
Erster Entwurf für einen Heckenirrgarten entstand um 1500 im "Mantuaner Skizzenbuch".

Ab der Renaissance werden Irrgärten aus Hecken gepflanzt.

 

Diese Form - rund oder eckig - dürfte die älteste Labyrinth-Struktur sein, sie wird deshalb meist als Urlabyrinth bezeichnet, aber auch kretisches oder klassisches Labyrinth.

 

 

 

 

 

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